06/2026
die gruppe

06/2026
die gruppe

Autor: Tim Kropp, Regie: Katrin Schüring

Autor: Tim Kropp, Regie: Katrin Schüring

die gruppe

AUFFÜHRUNGSTERMINE
Am 24., 25., 26., 27. Juni 2026 19.30 Uhr; am 28. Juni um 18 Uhr

Brotfabrik Bühne Bonn, Kreuzstraße 16, 53225 Bonn

REGIE
Katrin Schüring

ZUM STÜCK
Gruppentherapie. Starke Gefühle, wortgewaltige Schlagabtausche und die großen Fragen über Liebe und Tod, die eigene Fehlbarkeit und das Leben an sich. Mittendrin ein Therapeut, der sein eigenes Heil in Gesprächen mit seinem Supervisor sucht und dabei scheitert. Wer hilft hier eigentlich wem? Und wie wirklich ist die Wirklichkeit? 

AUS DEM VORWORT DES AUTORS

Theater, das ist meine persönliche Sicht, muss Gefühle auslösen. Vorhersehbare Gefühle sind dabei nicht das unbedingte Ziel, eröffnen aber die Möglichkeit des Identifizierens und Luftholens. Doch auch die Störung, das Erschrecken, der Bruch, die Empörung, die Abscheu, die Erschütterung im Erleben machen Theater sowohl zum Spiegel als auch Zerrbild unser Selbst. Ein Theater, das dieses Geschwisterpaar trennen, das all dies einebnen und berechenbar machen möchte, ist ein lebloses Theater.

Ich maße mir nicht an, in diesem Stück alle Szenen und Symboliken zu kennen, die andere als verstörend erleben mögen. Menschen sind zu unterschiedlich, ich kenne die Zuschauenden, die Lesenden nicht. Weil eine allumfassende „Vorwarnung“ entsprechend das gesamte Stück zitieren müsste und Verstörung auch ein Lebensquell sein kann, verweise ich nur darauf, dass dieses Bühnenwerk unter anderem von Schmerzen, Ohnmacht, Verlust, Hilflosigkeit, von Hybris, Kaninchen, dem Tod, zynischer Provokation und vielem anderen, dem Menschen Verwandtem, handelt. Dass dies nicht jedem gefallen kann und muss, ist gut, steht es doch für eine Welt der Vielfalt. Es wäre langweilig, könnte man nur ein Stück schreiben, das in jeder Person identische Empfindungen erzeugt.

Inhaltlich wird Bezug zu psychischen Erkrankungen genommen. Diese werden zu oft bagatellisiert. Sie sind kein offener Beinbruch und damit oftmals nicht für die Augen sichtbar, was dazu führt, dass sich Erkrankte auch noch für ihr Leiden, das sie ungewollt aus dem Alltag nimmt, rechtfertigen müssen. Menschen mit psychischen Erkrankungen werden auf der anderen Seite oft unterschätzt und weil man es von ihnen erwartet, unterschätzen sie sich manchmal auch selbst.

Die Grenze zwischen gesund und krank kann klar benannt sein. Sie ist häufig auch dünn, fluide und willkürlich gesetzt. Gesunde können erkranken, Kranke können gesunden. Gesundes wirkt bei einem Kontextwechsel plötzlich ungehörig, ebenso kann ein Störverhalten bei einer Veränderung des Rahmens auf einmal sinnvoll werden. Dieses Fluide auszuloten, läuft Gefahr, zu bagatellisieren aber auch, Hoffnungen zu nehmen. Das Eine, das (zu) Leichte, ist ohne das Andere, das (zu) Schwere, kaum zu greifen. Doch immer ist ein psychisch erkrankter Mensch mehr als nur seine Erkrankung selbst. Mein Respekt gilt den Menschen, die sich mit ihrer Erkrankung auseinandersetzen müssen und denen, die ihnen dabei zu helfen versuchen.

Die Welt und das Theater bleiben auch mit dieser Vorankündigung ein unsicherer Ort für mich.

DARSTELLER*INNEN
Lasse Behrendt/ Andrea Bühring/ Jutta Büsscher/ Florian Frank/ Ksenia Guseva/ Hanna Kaethner/ Andreas Krieg/ Banni Kunz/ Michael Nann/ Sida Nies/ Timon Oligschläger/ Ulrich Papenkort

DRAMATURGISCHE BERATUNG
Tim Kropp

KOSTÜM
Andrea Bühring

TECHNIK
Flo Hoffmann

SOUND
Banni Kunz

PRESSE/ SOCIAL MEDIA
Ksenia Guseva/ Rebecca Winkler, Michel Schmidt


Wir danken allen helfenden Händen, die diese Produktion möglich gemacht haben!

"Regisseurin Katrin Schüring hat mit wenigen Mitteln einen lebhaften Theaterabend gestaltet. Mit knapp drei Stunden durchleben die Zuschauer alle Höhen und Tiefen einer Gruppentherapie bei der Gefühle verletzt, Erkenntnisse erlangt und viele leere Phrasen gedroschen werden. [...] Kurzum, ein unterhaltsamer Abend, weil er gerade dort lustig ist, wo es weh tut."
Rebecca Telöken
Theatral Blog, 05.07.2026

Unsere Gruppe

Was gut gemeint kann böse enden. Was bös gemeint sich wenden.

Lasse Behrendt – Hausmeister

Lasse kam aus Neugier zu Rampös – „Die Gruppe“ ist das erste Theaterstück, in dem er mitwirkt. Zum Stück hat er einen besonderen Bezug, da er auch beruflich im psychiatrischen Bereich tätig ist und Menschen begleitet und unterstützt. Gerade deshalb schätzt er die Gruppe: „Das Stück schafft den Balanceakt zwischen Witz und Würde bei einem so sensiblen Thema wie psychischer Gesundheit.“
Die Aufgaben des Hausmeisters beschränken sich keineswegs auf das Auswechseln von Glühbirnen oder das Fegen der Räumlichkeiten. Als „Narr“ des Stücks steht er zwischen den Welten – stets mit einem Blick für die Wahrheiten hinter der Fassade. Ein Handwerker mit Hang zu Philosophie und Dichtkunst.

Wir dürfen das, denn wir haben ja alle einen an der Waffel.

Andrea Bühring – Julia

Andrea ist seit 2019 Teil von Theater Rampös und hat zuletzt das Stück „Extrawurst“ inszeniert. In der aktuellen Produktion übernimmt sie die Rolle der Julia. Die tritt mit voller Wucht auf – schlagfertig und immer angriffslustig. Julia ist misstrauisch, direkt und hat eine klare Haltung zu allem, was sie für Unsinn hält. Ihr Schutz für vermeintlich Schwächere bietet keine tröstenden Worte, sondern konsequente Konfrontation. Wer bei ihr Unterstützung sucht, bekommt keine Umarmung, sondern eine klare Ansage – und vielleicht dadurch auch die nötige Entschlossenheit, selbst aktiv zu werden. Die Figur liegt Andrea dabei nicht fern.

Hast du Kaninchen?

Jutta Büsscher – Conni

Seit einigen Jahren atmet Jutta als Souffleuse im Theaterverein Lätitia in Bad Neuenahr-Ahrweiler Theaterluft. Als Krimiautorin schlüpft sie bei ihren szenischen Lesungen regelmäßig in die von ihr geschaffenen Figuren. Bei Theater Rampös und mit dem Stück „Die Gruppe“ widmet sie sich einer neuen Herausforderung: Mit Gespür spielt sie die liebenswerte Conni, die in einer scheinbar einfachen Welt lebt und dabei eine überraschende Leichtigkeit verbreitet – geprägt von Kaninchen, Roland Kaiser-Konzerten und „Bärchen“.

Mal richtig arbeiten. Da bist du so platt, da ist nix mehr mit Denken.

Florian Frank – Theo

Florian steht mit der „Gruppe“ erstmals selbst auf der Bühne und probiert sich damit in einem neuen Feld aus. Für ihn ist die Rolle des Theo auch ein persönlicher Dialog mit der Figur. Theo selbst folgt einer sehr eigenen Lebensphilosophie: „Probleme hat man nicht – die macht man sich.“ Was um ihn herum geschieht, erschließt sich ihm dabei nicht immer sofort – und auch später nur teilweise. Nach außen wirkt er klotzig und sperrig, im Kern jedoch gutmütig und aufrichtig. Ein Rätsel, was ihn zur Gruppe gebracht hat.

Bist du du, und bin ich ich? Ich weiß es nicht.

Ksenia Guseva – Ärztin

Ksenias Reise mit und bei Rampös begann vor sechs Jahren mit Falk Richters Stück „Ich bin Europa“. Zunächst auf der Bühne aktiv, verlagerte sich ihr Schwerpunkt bald hinter die Kulissen: vom Backstage-Bereich über die Online-Kommunikation bis hin zur Pressearbeit. Seit einigen Jahren engagiert sie sich zudem mit großem Einsatz in der Vorstandsarbeit. Wer hinter den Kulissen so viel bewegt, braucht auf der Bühne nur wenige Worte: Im Stück erscheint sie nur kurz, aber genau im richtigen Moment.

Sollen wir so tun, dass Sie wirksam sind, damit Sie sich besser fühlen?

Hanna Kaethner – Zoe

Zoe nimmt kein Blatt vor den Mund und gibt nen Sch** drauf, was so mancher von ihr denkt. Hätte sie diesen Text selbst geschrieben, wäre der auch nicht zensiert. Hanna selbst ist da schon freundlicher. Trotzdem – oder gerade deshalb – bereitet es ihr viel Freude, in Zoes Rolle zu schlüpfen. Schließlich steckt hinter Zoes klaren Worten eine Tiefe, die man ihr nicht sofort ansieht – und mehr Herz für die anderen Gruppenmitglieder, als sie jemals zugeben würde. 
Mit der Gruppe feiert Hanna ihr Debüt bei Theater Rampös. Bühnenerfahrung sammelte sie zuletzt im italienischen Improtheater und zuvor im Schultheater.

So weit kommt es noch, dass mich ein Patient, der meint, ich sei er und er sei ich, in seiner Identitätskonfusion begrapscht!

Andreas Krieg – „Therapeut“

Während seines Studiums stand Andreas regelmäßig in Marburg auf der Bühne. Mit Theater Rampös hat er in Bonn wieder eine Gruppe gefunden, die ihm die Rückkehr zum Schauspiel ermöglicht. An seiner Rolle als „Therapeut“ fasziniert ihn deren Aktualität: Nach außen wirkt die Figur souverän und kontrolliert, doch hinter der Fassade zeigen sich Brüche und Unsicherheiten. Seine Rolle erinnert Andreas daran, dass das Leben selten so eindeutig ist, wie wir es uns wünschen. Und je weiter das Stück voranschreitet, desto unklarer wird, wer dieser Mann eigentlich ist.

Systemkritik kann ja nicht immer mundgerecht sein.

Banni Kunz – Sid

Bannis künstlerische Entwicklung reicht von ersten Schritten im Geigenunterricht und Loriot-Sketchen in der Grundschule über seine Abiturzeit, in der er sich sowohl an den Drums einer Punk-Rockband als auch am Lichtpult des Losemund Theaters Bergneustadt ausprobierte. Seit 2012 vertieft er in Bonn seine Leidenschaft für Musik und Schauspiel – mit Kompositionen und Sounddesigns, in der technischen Begleitung und immer wieder auch selbst auf der Bühne, unter anderem in Produktionen der BUSC und des Neuen Ensemble Bonn. Als Sid feiert Banni nun Theater Rampös-Debüt.
Sid ist unangepasst und laut – wenn er sich traut. Denn abseits des Punks fehlen ihm noch die Worte für Veränderung. Umso spannender wird es, wenn Sid auch einmal leisere Töne anschlägt.

Ich hab‘ keine Kraft mehr, das alles immer verstehen zu müssen.  

Michael Nann – Laurens

Laurens wird von anderen als ausgesprochen zugewandt wahrgenommen – jemand, der aufmerksam zuhört, Verständnis zeigt und Konflikten eher aus dem Weg geht. Nach außen wirkt er ruhig und freundlich, zugleich bleibt vieles an ihm schwer zu greifen. Gerade diese hintergründige Vielschichtigkeit macht es für Michael spannend und reizvoll, die Figur zu spielen. Bei Rampös ist er seit 2018 („Die Verstörung“).

Und Sie, Sie sterben auch!

Sida Nies – Marianne

Sida ist seit über 20 Jahren dem Schauspiel ergeben. Auftritte und Erfahrungen sammelte sie in Projektkursen des Jungen Theater Bonn, auf der Bühne des Rüngsdorfer KulturBads sowie vor der Kamera, wo sie in kleineren Fernsehrollen zu sehen war. Umso mehr freuen wir uns, dass ihr Weg schließlich zu Rampös geführt hat und sie nun Teil des Ensembles ist.
Mit Marianne verbindet Sida ein zwiespältiges Verhältnis. Was könnte einer rheinischen Frohnatur ferner liegen als eine Figur, die sich leidenschaftlich mit dem Thema Tod beschäftigt? Andererseits muss sie Marianne auch zustimmen. Oder, um es mit Zoe zu sagen: „Sie hat doch recht.“

Wir sind doch keine Götter

Timon Oligschläger – „Therapeut“

Timon gibt mit der Gruppe sein Debüt bei Theater Rampös. Zu seiner Rolle des „Therapeuten“ sagt er: „Er ist kein Held und will auch keiner sein. Als Therapeut weiß er, dass er nicht alle retten kann… aber, dass es einen Unterschied macht, es trotzdem zu versuchen.“

Auch ich werde – vermutlich – irgendwann sterben müssen.

Ulrich Papenkort – Supervisor

Seit Jahrzehnten ist Uli mit dem Theatervirus infiziert. Nach jugendlichen Anfängen als Statist und Tänzer am heimatlichen Stadttheater zeigte er ausgeprägtere Symptome auf Bühnen in Süddeutschland und Köln sowie auf Festivals in Bochum und Erfurt. Derzeit sind die Symptome in Bonn im Theater im Keller und auf der Brotfabrik Bühne zu beobachten.
Es macht Uli großen Spaß, einen sprichwörtlichen „alten weißen Mann“ zu spielen – einer, der er augenscheinlich zwar ist, als der er sich aber nicht fühlt. Wo, wenn nicht auf der Bühne, kann er endlich das sein, was er inzwischen ist und doch nie sein wird? Ja, so herrlich gedrechselt redet nur der Supervisor.

Wir sitzen alle hier – und Schuld sind immer unsere Eltern

Katrin Schüring – Regie

Katrin macht Theater, seit sie 14 Jahre alt ist. Bei Rampös ist es ihre sechste Produktion. An der Gruppe schätzt sie die Vielschichtigkeit der verhandelten Themen und den Facettenreichtum der Figuren: Menschen mit psychischen Problemen oder Erkrankungen werden bewusst ins Zentrum gerückt. Im Fokus stehen dabei aber keine Diagnosen, sondern die Menschen selbst mit ihren unterschiedlichen Erfahrungen – sowie ein Therapeut, der seine Rolle und die Grenzen seiner Unterstützung hinterfragt.

(c) Fotos von Andreas Wichmann

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